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(Schnell-)Bau einer einfachen Standseitentruhe
Der Bau dieser Truhe war eigentlich gar nicht geplant und mehr eine Frustaktion ...
Der Termin für meine erste Veranstaltung rückt näher und mein Trainer hatte mir nahegelegt meine Ausrüstung und sonstigen Kram doch bitte in einer Plastikkiste zu verpacken und nicht mit zig Taschen oder ähnlichem auf dem Gelände aufzutauchen.
OK, kein Problem (dachte ich), besorge ich mir also eine Plastikkiste. Nach Sichtung meiner mitzunehmenden Gegenstände war schonmal klar, das diese Kiste doch eine gewisse Größe haben muss. Da ich sowieso noch zu einem bekannten schwedischen Einrichtungshaus musste, habe ich mir dann dort die Kisten der Serie Samla angesehen. Die einzige in Frage kommende war die ganz große Ausführung mit ca. 130l. Die nächstkleinere war bereits definitiv zu klein (65l). Also gekauft und auf dem Parkplatz ging dann das Fluchen los: Die passt doch tatsächlich nicht in den Kofferraum meines derzeitigen Autos (1er BMW) ... na gut, eigentlich schon, aber da ist schon ein Verstärker und der (kleine) Subwwofer drin und genau dieser war im Weg. Kurzerhand den Sub rausgenommen und ... na ja, reinpassen schon ... solange ich die Klappe auflasse = Frust!
Also die Kiste auf die Rückbank, brauchen kann ich die so oder so. Aber für die Veranstaltung geht das auf der Rückbank nicht, da muss schon mein Schwert hin (das passt nämlich ebenfalls nicht in den Kofferraum). Zumal die nur hochkant durch die Autotür geht, da fällt mir ja alles durcheinander.
Also habe ich mich kurzerhand entschlossen auf die Schnelle noch eine an meinen Kofferraum angepasste Standseitentruhe zu bauen.
Der Aufbau einer derartigen Truhe ist relativ einfach, sollte also auch für mich durchaus zu schaffen sein.
Hier also meine Version:
Ach so: Ich bin kein Schreiner und hatte letztendlich an Werkzeugen nur eine Stichsäge, einen Akkuschrauber, Hammer und einige Kleinteile zur Verfügung.
Beim Holz habe ich einfache Leimholzbretter Fichte/Tanne aus dem örtlichen Baumarkt verwendet. Dies ist zwar nicht "A", dafür aber leicht zu bekommen und zu bearbeiten. Des weiteren hat es auch deutliche Gewichtsvorteile gegenüber einer Truhe z.B. aus Eiche. Von den Kosten ganz zu schweigen.
Nach dem ausmessen meines Kofferraums lagen folgende Maße vor:
Breite max. 80cm
Höhe max. 45cm
Tiefe max. 40cm
Das schreit doch fast danach die Vorder- und Rückseite aus je einem 80x40er Brett zu machen. Also habe ich mir an Material für den Korpus der Truhe 3 Bretter in 80x40cm (1x Vorderseite, 1x Rückseite, 1x Boden) und ein Brett in 120x40cm jeweils in der Stärke 18mm besorgt. Das 120er Brett habe ich dann noch zuschneiden lassen, so dass ich daraus 2 Teile zu je 45x40cm bekomme (das Reststück habe ich während der Arbeiten als Unterlage benutzt).
Die "echten" Truhen sind wohl nur genagelt und nicht verleimt, aber das war mir bei meinen Fähigkeiten nicht sicher genug ;-)
Daher habe ich die Truhe mit 6mm Holzdübeln verdübelt und geleimt. Es werden aber zusätzlich noch geschmiedete Nägel verwendet werden.
Den Deckel der Truhe werde ich anschliessend an den Korpus anpassen, daher ist er in dieser Materialaufstellung noch nicht dabei.
Zusätzlich werden noch Beschläge (Scharniere für den Deckel, Verstärkungen für die Seitenteile, Überfalle für ein Schloß, Griffe) nach Wunsch benötigt.
...und nun: Auf ans Werk!
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Hier mein Ausgangsmaterial
3 Bretter mit 80x40cm in 18mm Stärke
2 Bretter mit 45x40cm in 18mm Stärke
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Als erstes müssen bei den Seitenteilen an den langen Seiten Streifen weggeschnitten werden.
Hier werden später die Vorder- und Rückseite eingesetzt.
Dementsprechend sind diese Aussparungen 40cm lang und 18mm breit.
In der Vergrößerung kann man die angezeichneten Schnittlinien erkennen.
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Hier eines der Seitenteile nach dem Schneiden der Aussparungen.
Dafür das ich das freihändig mit der Stichsäge gemacht habe, eigentlich ganz ok.
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Jetzt geht es mit der Vorder- und der Rückseite weiter.
An der schmalen Kante werden im Abstand der halben Materialstärke der Seitenteile (in meinem Fall 18mm/2=9mm) diverse Löcher gebohrt.
Ich habe an dieser Stelle sowohl die Löcher für die späteren Nägel, als auch die Löcher für die Holzdübel gebohrt.
Für die Nägel habe ich 2,5cm von der langen Seite entfernt angefangen und dann alle 5cm ein Loch mit 3mm Durchmesser ganz durch das Brett gebohrt. (Insgesamt 8 Löcher)
Für die Holzdübel habe ich 5cm von der langen Seite entfernt angefangen und dann ebenfalls in Abständen von 5cm Löcher mit 6mm bis auf eine Tiefe von ca. halber Brettstärke (18mm/2=9mm) gebohrt.
In diese Löcher habe ich dann Markierungsspitzen eingesetzt, um die Position der Löcher auf das Seitenteil zu übertragen.
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Das Übertragen geschieht dann einfach indem man das entsprechende Seitenteil so auf das Brett mit den Markierspitzen setzt, wie es später einmal sitzen soll und dann feste aufdrückt.
Durch die Markierspitzen ergeben sich dann Abdrücke im Seitenteil genau an den Stellen wo das entsprechende Dübelloch gebohrt werden muss.
Das sieht dann so aus wie auf diesem Bild.
Es empfiehlt sich die Teile zueinander passend zu markieren/nummerieren, damit beim späteren Zusammenbau jedes Teil wieder an seine ursprüngliche Stelle kommt.
Ansonsten passen nämlich die Dübellöcher nicht mehr ...
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So sieht das dann aus, wenn die Dübellöcher im Seitenteil gebohrt sind.
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So wird das ganze später unter Leimzugabe zusammengesteckt.
Das ganze wird jetzt noch dreimal gemacht, bis alle Seitenteile mit der Vorder- und der Rückseite verbunden werden können.
Wenn man das ganze jetzt zusammenbauen würde, hätte man eine Truhe ohne Boden.
Daher muss jetzt der Boden eingepasst werden ...
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Hierfür wird von dem verbliebenen 80x40cm Brett rundherum die Materialstärke abgesägt.
Oder für Faule an einer langen und einer kurzen Seite jeweils die doppelte Materialstärke.
Im Ergebnis muss der Boden jedefalls theoretisch die Maße 76,4x36,4cm haben.
Wenn der Boden eingepasst wurde, kann man diesen ebenfalls mit Dübel- und Nagellöchern versehen.
Die Vorgehensweise entspricht dabei der von der Verbindung der Seitenteile mit der Vorder- bzw. Rückseite.
So sollte das dann in etwa aussehen wenn man alles zusammenstellt (im Bild ohne Vorderseite)
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Wenn soweit alles fertig ist, wird das ganze unter Leimzugabe zusammengesetzt.
Dabei kann es schwierig werden alle Dübel in die Löcher zu bekommen, aber wenn man halbwegs ordentlich gearbeitet hat, geht das.
Hat man einmal alle Löcher getroffen, kann man mit einem Hammer das ganze zusammentreiben.
Dabei aber bitte etwas unterlegen, sonst sieht man hinterher die Abdrücke des Hammers auf dem relativ weichen Holz.
Ich habe hierfür ein Stück dickes Leder verwendet.
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Hier eine Ansicht des Korpus von der schmalen Seite.
Ich habe auf der Innenseite die Verbindungsstellen nochmal mit Leim nachgezogen, um die Spalten etwas abzudichten.
Leider waren die Bretter nicht 100%ig gerade, so das nicht alles perfekt sitzt, aber das kann ich verschmerzen.
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Und eine von der langen Seite.
Gut zu erkennen ist, das die Truhe nicht mit dem Boden auf dem Untergrund steht, sondern nur mit den längeren Seitenteilen.
Deswegen auch Standseitentruhe.
Und standhaft ist das Teil...sofern der Deckel stabil genug ist, kann die Truhe problemlos als Sitzgelegeheit verwendet werden.
Und das Beste: Sie passt tatsächlich in den Kofferraum, selbst für den noch fehlenden Deckel ist noch Platz!
Links und rechts bleibt dabei so viel Luft, daß ich ohne Probleme an die zukünftigen Griffe herankomme.
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Hier ein Bild nach dem Schleifen des Korpus mit 120er Papier und anschliessender Behandlung mit Leinölfirnis.
Alle Flächen wurden glatt geschliffen und die Kanten leicht angefast.
Danach wurden drei Schichten Leinölfirnis mit einem üblichen Küchenschwamm aufgetragen.
Zum Leinölfirnis verweise ich einfach mal auf den Wikipedia-Artikel => Leinölfirnis
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Leider bin ich zwischendurch nicht zum Bilder machen gekommen aber hier der aktuelle Stand:
Der Deckel wurde angepasst und ebenfalls mit Leinölfirnis behandelt.
Die Beschläge sind angekommen und wurden montiert.
Zusätzlich habe ich noch 2 Ketten als Deckelfangbänder montiert, damit der Deckel nicht direkt umschlägt.
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Die Überfalle für das Schloß.
Diese ist unter dem obenliegenden Teil mit 4 Nägeln befestigt.
Bei geschlossener Überfalle, werden die Nägel durch die Überfalle selbst verdeckt.
Das Schloß ist zwar nicht wirklich passend, war aber gerade zur Hand ;-)
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Eines der beiden Scharniere für den Deckel.
Diese sind mit jeweils 3 Nägeln im Korpus und im Deckel befestigt.
Wie bei allen anderen Beschlägen wurden diese durchgenagelt.
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D.h. der Nagel ist länger als das Material stark ist und wird erst ganz durchgeschlagen. Danach wird die herausstehende Spitze an einem Flacheisen (z.B. alte Feile), so umgeschlagen das sie Richtung Holz zeigt und dann wieder in das Holz eingeschlagen.
Und das OHNE alles den Nagel aus dem ursprünglichen Loch wieder herauszudrücken ... hört sich kompliziert an und ist auch gar nicht so einfach.
Bei mir hat das, vor allem bei den ersten Nägeln, auch nicht immer richtig funktioniert.
Auf dem Bild mit dem geöffneten Deckel kann das durchgenagelte übrigens halbwegs erkennen.
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Einer der beiden Griffe aus der Nähe. Diese sind mit jeweils 4 Nägeln befestigt.
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Eine Totalaufnahme von der Seite.
Was noch fehlt sind die Nägel die unten in den Boden gehen sollen.
Dumemrweise sind noch nicht alle Nägel gekommen, ich hoffe die Nachlieferung trifft noch rechtzeitig ein.
Da die Kiste aber geleimt ist, würde das notfalls auch ohne diese gehen.
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Eine Totalaufnahme von vorne.
Hier sind links und rechts die beim vorherigen Bild erwähnten Nägel an den Seiten zu sehen.
In der Höhe des Bodenbrettes fehlen sie vorne auch noch.
(Auf der Rückseite sind noch gar keine Nägel drin)
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Und noch ein Bild schräg von oben.
Ich hoffe mal das ganze gibt einen brauchbaren Überblick darüber wie man so eine Truhe bauen kann!
Wenn sie da sind werde ich noch die restlichen Nägel einschlagen.
Aber ich denke das dieser Schnellschuss nicht die letzte Truhe gewesen sein wird ...
Vielleicht versuche ich mich wenn ich etwas mehr Zeit habe an einer Stollentruhe die dann auch auf Antik gemacht (Beize oder Wachs) und ein paar Verzierungen bekommen wird. Einen Satz Beschläge habe ich jedenfalls noch.
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Da ich euch die Bilder von der Endversion nicht vorenthalten will, hier noch eins von schräg vorne mit dem genagelten Boden.
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Und noch eins von der Ecke auf dem man die seitlichen Nägel sieht.
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Ach ja, was die Beschläge angeht:
Meine stammen von ebay, da ich nicht die Zeit hatte Beschläge aus dem Baumarkt passend aufzubereiten.
Natürlich muss man das nicht so machen. Es gibt durchaus brauchbare Scharniere etc. im Baumarkt, die sich mit schwarzer Farbe und einer Feile passend zurechtmachen lassen.
Oder vielleicht findet man ja was auf einem Trödelmarkt oder Antikmarkt.
Die Kiste passt übrigens nach wie vor in meinen Kofferraum und ist so stabil, das ich sie ohne Probleme als Sitzgelegenheit verwenden kann.
Das war es in diesem Tutorial, Fragen könnt ihr über das Kontaktformular oder das Gästebuch stellen.
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